Voraussetzungen für kreatives Bauen und Spielen schaffen - Mein Traum von einer Bauecke

Ich habe hier 3 Baumeister. Manchmal erschaffen sie wunderbare Bauwerke mit diversen Materialien und spielen sehr kreativ damit. Doch oft entsteht dieses intensive Bauen und Spielen erst dann, wenn ich eine Runde mitgespielt und ganz bewusst die Holzbausteine und einige zusätzliche Materialien in´s Spiel gebracht habe. Und wenn ich zutun habe oder nicht daran denke? Bausteine und Zubehör liegen immer in den Kisten bereit, aber sie werden meist übersehen. Ob eine Bauecke hilft? Über diese und andere Vorrassetzungen für kreatives und phantasievolles Bauen und Spielen:

Warum mir eine Bauecke wichtig ist?

Momentan wird hier zusammen mit der Prinzessin meist wunderbar gespielt. Ist sie jedoch in der Schule oder mit einer ihrer Freundinnen verabredet, so finden die beiden Räuber nicht so gut in ein tiefes Spiel. Stattdessen toben sie herum, setzen irgendwelche verrückten Ideen um (oft nicht so sinnvolle...), legen ein Puzzle nach den anderen, wollen pausenlos mit mir Brettspiele spielen oder beschäftigen sich kurzfristig mit allen möglichen Dingen.

 

Das ist für uns alle unbefriedigend - ich komme zu nix, weil ich ständig gefragt bin Spiele mitzuspielen oder Unsinn zu verhindern, Streit zu schlichten oder bei irgendwas zu helfen. Und sie sind eher unausgeglichen, wei dies und das und ständiger Wechsel offensichtlich nicht so zufrieden macht wie tief versunkenes Spielen. Also wünsche ich mir für meine Räuberkinder und für mich viele Stunden engagiertes und glückliches Spielen am Tag.

 

Kann ich das beeinflussen? Ich denke ja. Sowohl kreatives Gestalten (kommt in einem Extraartikel) als auch kreatives Spielen kann ich fördern, ebenso wie ich für vielerlei Anreize und Ideen sorgen kann. Und genau diese Punkte sehe ich als meine wichtigsten Aufgaben als zuhause betreuende Mama. Ich muss nicht stundenlang mitzuspielen, ich sollte einfach nur die Voraussetzungen schaffen:

 

Voraussetzungen für kreatives und phantasievolles Bauen und Spielen

Ich glaube wirklich engagiert und versunken spielen Kinder besonders dann, wenn das Spiel interessant bleibt weil es sich stetig weiterentwickelt: Wenn jede umgesetzte Idee neue Möglichkeiten und Ideen nach sich zieht, bleibt ein Spiel lange attraktiv.

 

Für Ideen braucht es Kreativität und Phantasie, was Kinder ja zum Glück mitbringen - wir müssen gewissermaßen nur den Weg von den Ideen zu den passenden Spielmaterialien ebnen oder ein wenig Inspiration wachkitzeln. Und da wären wir bei den Vorraussetzungen:

  • eine einladende Umgebung
  • ansprechende Spielmaterialien
  • eine wertschätzende Haltung der Erwachsenen
  • ausreichend freie Zeit
  • ggf. Spielkameraden
  • die ein oder andere "Provokation", d.h. gelegentlich für Anregungen und Inspiration sorgen  (dazu mein Ausflug in die Reggio-Pädagogik)

 

Eine einladende Umgebung

Grundsätzlich ist bei uns Spielen fast überall willkommen. Früher hatten wir ein Wohnzimmer, derzeit ist es eher ein Spielzimmer. Doch trotz der vorhandenen Spielzeugmassen und trotz unserer Gewohnheit, uns alle zusammen im Wohnzimmer aufzuhalten, empfinde ich es nicht als einladend zum Bauen:

 

Wir haben zu fünft nur einen mittelgroßen Raum und so bemühen wir uns, dass kein Spielzeug tagelang im Weg herumsteht. Im Zweifelsfall stolpert sowieso jemand darüber. Und so kann kein Bauvorhaben stehen beliben und sich über mehrere Tage weiterentwickeln.

 

Außerdem ist zwar fast alles irgendwie erreichbar, aber eben nicht einladend präsentiert. Vermutlich ist sogar unübersichtlich viel gleichzeitig erreichbar, da wir sehr viel besitzen aber mangels Stauraum Spielzeuge nur irgendwie sinnvoll unterbringen anstatt sie zu rotieren.

 

In meinen Augen beachtet eine ideale Spielumgebung diese beiden Punkte. Sie bietet eine zu den aktuellen Interessen passende Auswahl an Materialien an und präsensiert diese attraktiv und übersichtlich. Und sie strahlt ein "mach es dir gemütlich und arbeite in Ruhe an deinen Ideen" aus. Auch wenn diese Arbeit mehrere Tage dauert.

 

Ansprechende Materialien

Zum Bauen braucht man ein Baumaterial als Grundlage sowie ergänzendes Zubehör. Das können einfach Duplo-Platten und -Bausteine zusammen mit Tieren und  Menschen, Autos und Kleinteilen sein. Damit wird bei uns seit Jahren sehr gerne gebaut und gespielt. Da die Steine schön bunt sind und gut aufeinander halten, sind sie natürlich auch sehr attraktiv.

 

Doch obwohl wir viel Duplo haben und regelmäßig damit spielen, wünsche ich mir eine Bauecke mit Holzbausteinen. Zum einen umgebe ich mich einfach lieber mit Holz als mit Plastik und möchte diese Vorliebe für natürliches Material gerne an meine Räuberkinder weitergeben. Zum anderen lassen sich die Duplosteine durch ihre "Noppen" relativ schlecht mit anderen Materialen kombinieren. Gerade die Kombination verschiedenster Materialien empfinde ich beim Bauen und Spielen jedoch als attraktiv.

 

Zum Glück besitzen wir auch eine Auswahl toller Holzbausteine. Und was als Ergänzung dazu passt? Zuerst einmal Figuren (Puppenhauspüppchen, einfache Holzfiguren, ...), Tiere (aus Plastik, Holz, Filz, ...) und Autos. Dann noch ergänzende Materialien wie besondere Bausteine (z.B. Magnetbausteine), Stoffstücke, Naturschätze (Astscheiben, Muscheln und Schneckenhäuser, Kastanien, schöne Steine ...) und ähnliches. Dazu kommt bei uns noch eine Schatzkiste an Kleinigkeiten ("Loose Parts") wie Glasnuggets, Edelsteine und dergleichen. All unsere Lieblings-Baumaterialien habe ich in einem Extraartikel zusammengefasst, der morgen Woche erscheinen wird.

 

Warum unsere Haltung eine Rolle spielt?

Während freie Zeit und Spielkameraden sich von selbst erklären, möchte ich noch die wertschätzende Haltung von uns Erwachsenen hervorheben. Denn selbst wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, so spüren unsere Kinder diese sehr deutlich: Wann fotographieren wir sie? Über welche ihrer Aktivitäten berichten wir wohlwollend und stolz Freunden und Familie? Wofür schaffen wir Räume und Zeiten? Was darf in Ruhe beendet werden und wobei kann jederzeit unterbrochen werden?

 

Ich glaube es macht einen großen unterschied ob wir Bauen/Spielen als Zeitvertreib ansehen oder als "Arbeit" der Kinder wertschätzen. Und Spielen ist tatsächlich eine "Arbeit" (dazu mein Artikel Lernen - Spiel oder Arbeit): es ist ihre Art zu lernen und sicht der Welt auseinander zu setzen. So ist es kein Zufall, wenn ein Kind immer wieder Ritterburgen, Zoos, Verkehrsnetze oder ähnliches aufbaut. Vielmehr baut es nach, was es gerade beschäftigt. Beispielsweise hat mein größerer Räuber sich eine Weile für die unsichtbaren Leitungen und Kanäle unter der Straße interessiert. Und plötzlich bekam jedes Bauwerk Wasserleitungen verlegt. Dabei ist ihm aufgefallen, dass es mehrere Systeme (Frisch- und Abwasser, Elekronik, ...) in mehreren getrennten Känalen geben muss. Ich habe das Ganze beobachtet und vorsichtig unterstützt: mal die Klorollensammlung aus der Bastelkiste für Rohre bereitgestellt, mal ein passendes Buch aufgeschlagen danebengestellt, eine "passende" Baustelle besucht - einfach geholfen, dass er sich mit diesem Interesse beschäftigen könnte (= "Provokationen" in der Reggio-Pädagogik)

 

Mein Fazit

Ich denke es gibt einige Möglichkeiten, die Rahmenbedingungen für glückliche Bau- und Spielstunden zu setzen. Für meine Räuber scheint eine spezielle Bauecke die richtige Lösung, möglichst viele dieser Voraussetzungen zu beachten. Doch auch wenn dies für deine Familie keine passende Lösung oder realisierbare Idee ist, so können wir doch einiges machen um diese Art des kreativen Spielens zu fördern. Bauen bietet so viele Möglichkeiten: von einem streng geometrischen Architekturmodell bis zu kunterbunten Fantasielandschaften, von der motorischen Herausforderung den höchsten Turm zu bauen bis zum kreativen Erschaffen von Miniaturwelten - es ist so vieles möglich!

Bauen deine Kinder gerne?

Was unterstützt sie darin oder erweitert ihren Spielspaß?


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Kommentare: 3
  • #1

    Petra (Montag, 20 März 2017 06:57)

    Liebe Maria,
    das ist mal wieder verrückt - weißt du, was ich gestern gemacht habe? Ich habe den Spielbereich in unserem Wohnzimmer umgekrempelt ;-) Die letzten Wochen scheinen unsere beiden einfach keine Ideen mehr zu haben, was sie spielen könnten, dabei haben wir auch eine Menge und gerade gab es ja sogar noch Geburtstagsgeschenke, also einiges Neues dazu. Nun haben wir überlegt, dass wir vielleicht zu viel erreichbar haben, so dass die Entscheidung vielleicht schwer fällt. Gestern habe ich kistenweise ausgemistet (in den "Urlaub" geschickt). Auf dem Fensterbrett habe ich eine Duplo-Kulisse aufgebaut - also den Bauernhof aufgebaut Möbeln, ein paar Tieren, ein paar Männchen. Den Rest der Duplo-Sachen habe ich erstmal entfernt. Es gibt eine Kiste mit Knetmateriel - da kamen sie sonst nicht so einfach ran. Ein Fach mit "selbstgemachten Bausteinen", die gefilzten Tiere, den neuen Experiementierkasten vom Großen, Malsachen/Aufkleberbücher/ein Bastel-Ideen-Buch, Bücher, Musikinstrumente, an die Brettspiele und Puzzles kommen sie auch ran, und ein paar Spiele zu Buchstaben und Zahlen. Eine große Anlauttabelle ziert nun auch unser Wohnzimmer ;-) Ich bin so gespannt, wie die beiden darauf reagieren. Ob es ihnen helfen wird, sich leichter zu entscheiden, was sie tun möchten. Ob "weniger mehr" ist. Und ob der große auch ein paar neue Herausforderungen sucht (Buchstaben). Ich habe versucht, interessantes Spielmaterial für beide unterzubringen und möchte nun die Spielsachen immer mal wieder austauschen...
    Ich freu mich schon auf deine weiteren Artikel :)
    Liebe Grüße,
    Petra

  • #2

    Maria (Montag, 20 März 2017 10:15)

    Liebe Petra,
    das ist ja wieder ein merkwürdiger Zufall :-)
    Ich bin gespannt, ob dein Umbau wirkt. Erzählst du mir davon?
    Ich brauche etwas länger bis alles fertig ist, weil wir wenig Platz haben und der bestmöglich genutzt werden will. Trotzdem sehen wir schon positive Effekte.
    Liebe Grüße,
    Maria

  • #3

    Petra (Donnerstag, 23 März 2017 13:45)

    Liebe Maria,
    es war wirklich richtig gut, dass wir das Spielzeug reduziert haben. Die Kinder spielen auf einmal wieder und sogar richtig konzentriert! Und heute haben sie auch wieder mal die Baumaterialien genutzt - das haben sie schon lange nicht mehr. Ich habe nur noch eine kleine Kiste im Regal stehen und die Filztiere. Und damit wurde ein Platz für die Schwäne gebaut, wo sie nisten können - ein blaues Filztuch als Teich, alles auf Podesten errichtet, aus den selbstgefilzten Miniteppichen der Kinder entstanden die Nester, die Kugeln wurden zu Eiern und ein paar Äste schützten die Nester vor den "Wasserfluten" des Teiches. Ich freu mich so :) Morgen mag ich darüber einen Beitrag bei mir veröffentlichen :)
    Freu mich wieder von euren neusten Erfahrungen zu lesen :)
    Liebe Grüße,
    Petra