Spielen für die Sinne: "sensory play" leicht gemacht

Gehörst du auch zu den Erwachsenen, die am Strand oder auf dem Spielplatz Sand durch ihre Finger gleiten lassen? Schon mal erlebt, wie kleine Kinder mit Essen spielen? Hast du mal darüber nachgedacht, dass beides im Prinzip das gleiche ist?

 

Das, was du da machst und was Kinder nicht nur mit Essen machen nennt sich „sensory play“ (ich habe leider keine gute deutsche Übersetzung gefunden). Es tut uns Erwachsenen gut, aber Kinder brauchen es geradezu. Sie entwickeln ihre Sinne, entdecken ihre Welt und suchen diesen sinnlichen Input. Dabei können wir sie unterstützen, indem wir entsprechende Möglichkeiten schaffen. Komm doch mit in die Welt des „Sensory play“ und lass dich für deine Kinder inspirieren:

Als "sensory play" (= die Sinne anregendes spielen) kann man all die Spiele beschreiben, welche die Sinne der Kinder anregen. Natürlich sind bei jeder Art von Beschäftigung und Spiel die Sinne der Beteiligten in Gebrauch. Doch es gibt viele verschiedene Aktivitäten, welche unsere Sinne besonders ansprechen. Gerade kleine Kinder, welche ihre Sinne erst durch den Gebrauch perfektionieren, kann eine spielerische Herausforderung der Sinne wunderbar stärken und bei dieser Entwicklungsaufgabe unterstützen.

Warum tut „sensory play“ so gut?

Kinder suchen Sicherheit und Bindung, aber Kinder wollen auch die Welt entdecken. Sie verwenden alle ihre erwachenden Sinne um sich mit der Umwelt und ihren Gesetzmäßigkeiten vertraut zu machen – wie kleine Forscher. Wenn sie nun verschiedenste Materialien zur Verfügung haben, so können sie diese nach Herzenslust erkunden und darüber die Welt erfahren.

 

Neben dem Spiel- bzw. Erkundungsspaß stärkt „sensory play“ die Hirnentwicklung – alles was die Sinne anregt führt zu neuen Verknüpfungen im kindlichen Gehirn. Und diese helfen dem Kind bei seiner Entwicklung: sinnlicher Input fördert und verstärkt verschiedenste Lernprozesse, wie beispielsweise Fein- und Grobmotorik, aber auch sprachliche Fähigkeiten und vieles mehr.

 

Auf der anderen Seite erdet und beruhigt diese Art des Entdeckens und Spielens ungemein: kleine Kinder entwickeln manchmal eine fast meditative Ruhe, wenn sie Wasser schöpfen, Sand schaufeln oder vor sich hin kneten. Wer kann solch eine Ruhepol nicht gebrauchen im oft eher turbulenten Alltag?

 

Ein weiterer Vorteil ist das Schaffen einer sicheren „Ja-Umgebung“. So vieles sinnliche Erleben ist entweder nicht gesellschaftsfähig oder nicht sicher – doch gerade wenn Kinder beispielsweise nicht mit Essen matschen und spielen oder in einem Geschäft alles anfassen sollen kannst du mit „sensory play“ kindgerechte (und gesellschaftskonforme) Alternativen schaffen.

Ist das wirklich nötig? Wir sind doch auch nicht so aufgewachsen!

Ist es nicht irgendwie künstlich, Kindern spezielle Materialien für diese Art des Spielens zur Verfügung zu stellen? Nun ja, ich denke in unserer genetischen Ausstattung kommen keine aufgeräumten und klinisch sauberen Wohnungen/ Häuser vor, sondern eher ein Leben in oder nahe der Natur. Da haben die Kinder von ganz alleine diese Spiel- und Entdeckermöglichkeit.

 

Oft ist es uns heute aber nicht möglich, den Kindern jederzeit die natürlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Und so eröffnen wir ihnen eben andere Materialien zum Erkunden und sinnlichen Erleben, damit sie dieses gesunde Spielverhalten öfter leben können.

Welche Materialien eignen sich nun „sensory play“?

Unzählige verschiedene – aber du brauchst natürlich nicht alle. Manche Kinder mögen auch nicht alles, beispielsweise hat eines meiner Räuberkinder ein Problem damit schwierig-schmutzige Finger zu bekommen. Trotzdem gibt es ausreichend Möglichkeiten:

 

nass, vielleicht matschig oder formbar:

Wasser, Knete, Ton, Matsch (draußen) bzw. nasser Sand, Zaubersand (= kinetischer Sand*), Rasierschaum, (selbstgemachte) Fingerfarbe, Kuchenteig :-), künstlicher Spielschnee, Wasserperlen (Water Beads*)...

 

Trocken, glatt oder rau:

Steine, Muggelsteine (Glasnuggets), Holzstücke, Sägespäne, Perlen, trockene Bohnen, Kastanien, Watte, Wolle, Muscheln, trockene Nudeln (z.B. Sternchen- oder Buchstabensuppennudeln) …

 

für den ganzen Körper:

Bälle im Bällebad, Wasser im Planschbecken/in der Badewanne

 

Mit diesen Materialien sprichst du vor allem das Fühlen an. Denkbar sind beispielsweise auch Spiele mit Gerüchen (Blütenblätter?, …) und Geräuschen (Knisterfolie, …) - da sind deiner Phantasie (bzw. derjenigen deiner Kinder) keine Grenzen gesetzt.

 

Als Hilfsmittel eignen sich verschiedenste Gefäße und Werkzeuge (Löffel, verschiedene Schöpfkellen, aber auch Rohre, Trichter, diese genialen Greifwerkzeuge* und Riesenpipetten* …) - diese machen das Spiel mit den verschiedenen Materialien immer wieder von neuem spannend.

Das Drumherum:

Viele dieser Materialien sind potentiell zur Chaos-anfällig: entweder matschig oder viele kleine Dinge. Das qualifiziert sie ggf. für Tage, an denen Mama besonders viel Kraft dafür hat. Und auch für den Studio-Bereich, wenn du einen einrichtest. Oder aber du triffst entsprechende Vorkehrungen: wir verwenden beispielsweise trockene Zutaten auf einem großen Spannbettlacken – dass kann man am Ende einfach draußen ausschütteln. Feuchte Zutaten gibt es hier im Sommer nur draußen, jetzt eher in Küche oder Bad (lässt sich alles wieder trockenlegen im Vergleich zum Wohnzimmerteppich) oder eben auf den Bastelunterlagen. Außerdem sitze ich oft daneben, um potenziellen chaotischen Ideen zuvor zu kommen – einmal Spielschnee überall im Wohnzimmer (ich sag nur Schneeballschlacht) reich mir :-)

 

Außerdem möchte ich dich vorsichtshalber darauf hinweisen, dass einige dieser Materialien aus verschluckbaren Kleinteilen bestehen bzw. einfach keine sicherheitsgeprüften Spielsachen sind. Du kennst dein Kind am besten und du kannst einschätzen, ob es alleine oder mit deiner Begleitung damit umgehen kann!

 

Nebenbei bemerkt: Laut unserem Kinderarzt ist beispielsweise verschluckter Sand auch überhaupt kein Gesundheitsrisiko. Und selbst sehr kleine Kinder sind 100% waschbar und oft zu mehr fähig, als du dir vorstellen kannst. Versuche es doch mal mit Fingerfarbe oder essbarer Knete (das Rezept kommt hierher, sobald wir es perfektioniert haben). Viel Spaß!

 

Du möchtest über dieses Thema weiterlesen oder Spielideen für "sensory play"? Dann kann ich dir "Sensory play: What it’s all about" von Katie/Gift of Curiosity sowie "Sensory Play: Is This Really Necessary?" von Stephanie/Twodaloo empfehlen. Weitere Hintergründe und Ideen zu den verschiedenen Arten des kreativen Spielens findest du außerdem in meiner Spielserie, in deren Rahmen dieser Beitrag gehört.

 

Verlinkt beim Creadienstag und bei Kiddikram


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Kommentare: 3
  • #1

    Llewella (Donnerstag, 16 November 2017 22:09)

    Hihi, so nennt man das jetzt also auf wissenschaftlich, wenn meine Kinder im Heulager herumhüpfen, in der Matschpfütze im Lehm herumgraben, den Sandkasten unter Wasser setzen oder die Holzpfosten der Schaukel mit Matsche "streichen". Hört sich gut an, der Begriff.

    Tatsächlich werde ich hier immer wieder mal überrascht angesehen, dass meine Kinder sich so hemmungslos dreckig machen dürfen. Wat schalls, ich hab ne Waschmaschine und im Sommer nehme ich schon auch mal den Gartenschlauch, um sie wieder sauber zu bekommen, bevor es ins Haus geht.

    Im Winter, das gebe ich zu, kommt das Ganze doch deutlich zu kurz. Obwohl sie auch da viel draußen sind und gelegentlich nach Hause kommen, als hätten sie sich kopfüber in Dinge gestürzt, von denen ich gar nicht wissen will, wie sie heißen... Aber unser kleiner Weiler hier ist eben doch irgendwie wie Bullerbü. Sind ja auch nur drei Häuser mehr.

    Puh, ich schweife schon wieder ab. Dabei wollte ich doch nur Danke sagen, dass Du das Konzept vorgestellt hast, das ich sehr interessant finde!

    Gruß
    Llewella

  • #2

    Maria (Donnerstag, 16 November 2017 23:20)

    Das reinste Bullerbü bei euch - wie schön!!! Könnten wir auch gut haben! Haben wir aber nicht und so mache ich mir Gedanken, wie ich das ersetzen kann ohne gleich umzuziehen.
    Meine Räuber haben übrigens auch schon so einiges mit Matschfarbe gestrichen und mehr. So wie unsere Nachbarn manchmal gucken, rechne ich immer wieder mit einer Anzeige: wieso dürfen sie im Schlafanzug oder auf Strümpfen raus, auch mal im Regen tanzen, sich ebenfalls so richtig dreckig machen, neben dem Sandkasten mit Erde spielen, laut sein, auf Bäume kletter obwohl es doch so hoch ist, ... Absolut unmöglich diese Eltern!
    Schön, dass es andere Kinder da sogar noch besser haben!
    Liebe Grüße,
    Maria

  • #3

    Llewella (Freitag, 17 November 2017 22:26)

    Dafür beneiden wir Euch um Eure Nähe zur See. Wie es halt immer so ist, man kann nicht alles haben. Im Regen tanzen - wie großartig! Eure Nachbarn verstehen doch gar nichts ;) Meine haben einmal im April bei 15 Grad ihre Kleidung von sich geworfen und in der großen Regenpfütze im Reitplatz gebadet. Der Belag ist schwarz - die Pfütze war also warm. Muttern hat das erste Entsetzen runtergeschluckt, Handtücher geholt und gewartet, bis sie fertig waren. Dann ging es unter die Dusche.

    Ich habe den Beitrag mit großem Interesse gelesn (und auch den heute zum Studiobereich) und dachte dann auch, dass wir da mehr tun könnten. So hat halt alles seine Vor- und Nachteile. Danke jedenfalls, dass Du uns teilhaben läßt!

    Gruß
    Llewella