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"Loose Parts" - Zaubermittel für kreatives Spielen

Günstige bis kostenlose Spielmaterialien, jahrelang attraktiv und auf ideale Weise die kindliche Entwicklung unterstützend – Zauberei?

 

Nein, „Loose Parts“ (lose Teile).

 

Vermutlich bist du ihnen bereits mehrfach begegnet. Doch wer die Theorie dahinter kennt, kann deren Potential voll nutzen. Lass dich inspirieren:

„Loose Parts“ sind natürliche oder künstliche Materialien, welche durch die Kinder bewegt, kombiniert und ohne festen Verwendungszweck im Spiel variabel und kreativ eingesetzt werden können. Häufig fesseln und bezaubern sie die Kinder, sind einfach unheimlich attraktiv.

 

Das klingt vielleicht ein wenig kompliziert, ist es jedoch nicht. „Loose Parts“ sind beispielsweise Steine, Kastanien, Tannenzapfen aber auch Knöpfe, Perlen, Schrauben, Schnüre und viele mehr. Diese Materialien bereichern die kreativen Spielideen der Kinder ohne jedoch das Spiel zu steuern oder zu dominieren. Jegliches Denken, Kreieren und Gestalten bleibt beim Kind und wird sanft gefördert.

 

Im Folgenden möchte ich dich ein wenig mit dem theoretischen Hintergrund vertraut machen sowie erklären, was an den "Loose Parts" eigentlich so toll ist. Anschließend erkläre ich dir was nun alles "Loose Parts" sind und wie du diese unkompliziert mit deinen Kindern nutzen kannst. Viel Spaß!

 

Ein wenig Hintergedanken zu Loose Parts

Simon Nicholson schreibt „Creativity is for the gifted few: the rest of us are compelled to live in environments constructed by the giftet few, listen to the gifted few´s music, use gifted few´s inventions and art, and read the poems, fantasies and plays by the giftet few. This is what our education and culture conditions us to believe, and this is a cultural induced and perpetuated lie.“

 

(„Kreativität ist für die die wenigen Talentierten: der Rest von uns ist dazu verdammt in einer Umgebung zu leben, welche die wenigen Talentierten geschaffen haben. Die Musik der wenigen Talentierten zu hören, die Erfindungen und Kunst der wenigen Talentierten zu nutzen und die Gedichte, Phantasien und Theaterstücke der wenigen Talentierten zu lesen. Das ist es, wie unsere Bildung und Kultur uns konditionieren. Und es ist eine kulturell geschaffene und aufrecht erhaltene Lüge.“ frei übersetzt, original von Simon Nicholson)

 

Der Gedanke, dass alle Menschen kreativ veranlagt sind und es an der Umgebung, Erziehung und Ausbildung liegt, ob diese verkümmert oder aufblühen kann, ist dir vielleicht nicht neu. Das Spannende für mich ist, dass die Art, wie wir die Umgebung für unsere Kinder gestalten, ebenfalls einen wichtigen Einfluss hat. Naheliegend ist diese Tatsache für einen Kunst-/Kreativ-/Studionbereich. Doch auch die anderen Spielbereiche können Kreativität fördern oder abschwächen. „Loose parts“ sind eine Einladung kreativ und innovativ zu spielen, welche bei uns wunderbar funktioniert - deshalb möchte ich dich gerne davon begeistern:

Warum Loose Parts so toll sind?

„Loose Parts“ sind einfach großartig, weil sie einfach und attraktiv zugleich sind. Laut L.Daly und M. Beloglovsky in „Loose Parts – inspiring play in young children“ fördern sie:

  • aktives Lernen, indem sie den Kindern ermöglichen ihre Umgebung zu verändern und ihr Verständnis von der Umwelt und ihren Gesetzmäßigkeiten immer weiter zu verfeinern

  • kritisches und kreatives Denken und die Fähigkeit Probleme zu lösen, indem sie die Kinder immer wieder vor selbst gewählte Herausforderungen stellen anstatt Nutzung und konkrete Lösungen vorzugeben

  • die typische altersgemäße Entwicklung der Kinder: Grob- als auch Feinmotorik, soziale und emotionale Fähigkeiten sowie die kognitive Entwicklung

  • gemeinsames Spielen von Kindern unterschiedlicher Altersklassen und Entwicklungsstände

  • eine große Bandbreite von kindlichem Spielverhalten

  • ein grundlegendes Verständnis von Mathematik, Physik und grundlegenden wissenschaftlichen Methoden, Sprache, Kunst, Musik und vielem mehr

Doch für uns Eltern wohl am Allerwichtigsten: diese offenen und vielseitig verwendbaren Spielmaterialien sind langfristig interessant und fördern freies, kreatives Spielen, welches wir Eltern unseren Kindern so sehr wünschen. „Loose Parts“ eigenen sich für nahezu alle spielerischen Anforderungen, vom Rollenspiel über Bauen und Erschaffen von kleinen Welten bis zur Erfindung eigener Brettspiele und unzähliger weiterer Spezialfälle. Und praktisch sind Spielmaterialen, die unabhängig vom Alter der Kinder attraktiv und altersentsprechend sind, natürlich ebenfalls. Überzeugt?

Was sind denn nun alles "Loose Parts"?

S. Haughey und N. Hill von Fairy Dust Teaching teilen „Loose Parts“ anhand ihrer Beschaffenheit/Herkunft in 7 Typen ein:

  • Natürliche Materialien (Federn, Stöcke, Steine, Kastanien, Eicheln, Zapfen, Astscheiben ...)

  • Holz (Holzringe und -kugeln, Holzperlen, Spulen und Kerzenständern, ...)

  • Plastik (Deckel von Flaschen und Tetrapacks, Knöpfe, Plastikperlen, Becher, Rohre aus dem Baumarkt, ...)

  • Metall (Besteck, Magnete, alte Schlüssel, Schrauben und Muttern, Deckel von Gläsern ...)

  • Keramik/Glas ("Muggelsteine", kleine Fliesen, vom Meer geschliffene Glasscherben, ...)

  • Stoff/Bänder (Wolle, Schnüre, schöne Bänder, Spieltücher, Stoffreste, ...)

  • Verpackungen (Eierkartons, Klorollen, diverse Kartons, …)

Ich empfinde eine Einteilung eigentlich nicht als notwendig. Hauptsache kein fester Verwendungszweck und vielfältig. Doch vielleicht kann diese Einteilung als Anregung dienen auch an weniger naheliegende Materialien im Sinne der „Loose Parts“ zu denken.

 

Für weitere Anregung empfehle ich das Buch „Loose Parts: Inspiring Play in Young Children“ von L. Daly und M. Beloglovsky welches anhand unzähliger Beispielsfotos das Konzept der „Loose Parts“ veranschaulicht. Auch das kostenlose Ebook (ebenfalls auf Englisch) von S. Haughey und N. Hill (Fairy Dust Teaching) bietet vielfältige Beispiele.

Erste Schritte zu mehr „Loose Parts“

 Schau dich um: Was habt ihr bereits? Wie lässt sich das stärker in den Vordergrund stellen?

 

Oft ergibt es sich irgendwie von selbst, dass die Kinder bereits mit Loose Parts spielen. Manchmal sind es Klorollen oder die Deckel von den Babybrei-Gläschen, manchmal Naturschätze, Mamas Knöpfe oder Bastelmaterialien, die irgendwie ihren Weg zu den Spielsachen finden. Das ist prima so. Und es gibt dir Gelegenheit zu beobachten, wie deine Kinder mit diesen Dingen spielen. Vielleicht integrieren sie diese in Bauwerke? Vielleicht wird Rollenspielzubehör daraus? Als Einstieg kannst du ganz bewusst diese bereits vorhandenen Loose Parts an entsprechenden Stellen zur Verfügung stellen.

 

 

Geh raus: Was mögen deine Kinder und was lässt sich davon draußen nutzen oder mit hinein bringen?

 

Die Natur ist vielerorts quasi voller „Loose Parts“: Stöcke, Steine, Blätter, Muscheln und Schneckenhäuser, Sand und vieles mehr. Wenn du mit deinen Kindern in natürlicher oder naturnaher Umgebung Zeit verbringst, werden sie vermutlich beginnen mit diesen Dingen zu spielen. Wenn nicht – dann helfen vielleicht Zugaben wie ein alter Topf und Kochlöffel oder auch kleine Figuren, für welche ein Zuhause gebaut werden kann. Und Zeit um draußen anzukommen, sich einzulassen und die eigenen Möglichkeiten zu entdecken.

 

Viele dieser Naturmaterialien lassen sich drinnen oder aber im Garten ebenfalls verwenden. So könnt ihr ganz kostenlos eine wunderbare Sammlung natürlicher „Loose Parts“ anlegen. Auf diese Weise kann auch das Spielen im Haus natürlicher gestaltet werden, was beispielsweise die Waldorfpädagogik für unheimlich wertvoll erachtet. Natürliche Gegenstände in zurückhaltenden Farben regen die kindlichen Sinne auf eine völlig andere Art an als bunte Plastikspielzeuge (das muss nicht dogmatisch betrachtet werden, ein sowohl als auch ist problemlos möglich).

 

 

Beobachte deine Kinder beim Spielen: Welche Art von Spiel spielen sie am Liebsten? Wie könntest du diese Art des Spielens mit "Loose Parts" bereichern?

 

Ich denke es geht niemals darum das Spielverhalten der Kinder bewusst (und damit gewissermaßen gegen ihren Willen) zu verändern. Vielmehr geht es darum ihnen Angebote zu machen, welche ihr Spielverhalten positiv stärken können: tiefer, fokussierter und kreativer. Bei meinen eigenen Kindern gelingt dies am besten, wenn ich ihre Lieblingsspiele bereichere:

  • meine Kinder spielen gerne Rollenspiele mit Verkleiden und großflächige Hütten etc. bauen – dazu passen Spieltücher (als Verkleidungsgrundlage und Baumaterial), Klorollen (Ferngläser, Pfeilköcher, …), jegliche als Essen, Spielgeld oder ähnliches geeignete Kleinteile und vieles mehr

  • sie bauen auch gerne und erschaffen damit eine Welt für Tiere und andere Figuren – das ergänze ich regelmßig mit diversen Naturschätzen sowie Muggelsteinen und anderen kleinen Kostbarkeiten

Ich lege ihnen die Materialien einfach in Körben etc. dorthin, wo sich häufig die entsprechende Spiele entwickeln. Manchmal spiele ich zum Einstieg auch mit oder gestalte am Vorabend eine entsprechende „Einladung“.

 

 

Je mehr "Loose Parts" bei dir einziehen, desto wichtiger wird auch deren sinnvolle, übersichtliche Unterbringung. Gerade bei kleineren Kindern würde ich das aktuell verfügbare Angebot übersichtlich halten, sonst fliegen schnell 1001 Kleinteile herum. Wenn es zu chaotisch wird, spielen meine Räuber nicht mehr mit ihren Schätzen. Auf der anderen Seite laden mehr als eine Sorte "Loose Parts" auch ungemein zum Sortieren und anderen Beschäftigungen damit ein sowie regen ungemein die kreativen Spielideen an. Die Unterbringung und Präsentation dieser Schätze sprengt jedoch diesen Artikel – wenn es dich interessiert schreibe ich gerne gesondert darüber.

 

 

Abschließend möchte ich dich einfach einladen darauf zu achten, wie diese Art von Spielmaterial bei deinen Kindern ankommt. Vielleicht wirkt es ebenso attraktiv wie bei uns? Viel Spaß damit!

Was hältst du davon?

Ist es hilfreich, wenn ich über solche Konzepte schreibe?

 

Wie du mit kostengünstigen Loose Parts das Spielverhalten deiner Kinder interessanter gestalten kannst
"Loose Parts" - kreatives Spielen kinderleicht fördern

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