Mein Traum vom Freilernen

Ich habe einen Traum. Ich träume davon, dass wir Kinder als kompetente kleine Menschen wahrnehmen, die zwar Hilfe aber keine Bevormundung brauchen. Dass wir den Wert des Spielens anerkennen und ihre Kindheit als ganz besondere Zeit schützen und achten.

 

Wenn wir statt eines gewissermaßen unzureichenden Kindes (nicht fertig erzogen, nicht nach unseren Maßstäben gebildet) eine wertvolle und vollständige Persönlichkeit sehen, dann brauchen wir nicht darüber entscheiden, was dieser kleine Mensch wann lernen soll. Ihr innerer Antrieb kann das viel besser steuern als irgendein Lehrplan oder eine Entwicklungstabelle. Wir wissen doch nicht einmal, wohin sich dieser kleine Mensch einmal entwickeln und wie seine zukünftige Lebenswirklichkeit aussehen wird.

 

Ich denke es ist die allerwichtigste Aufgabe von uns Eltern, unsere Kinder im Jetzt als die Person anzunehmen und zu unterstützen, die sie bereits sind. Sie brauchen eine Orientierung in der Welt und in unserer Gesellschaft und je kleiner sie sind, desto mehr Hilfe brauchen sie. Sie aufgrund dieser Hilflosigkeit als formbare Wesen zu betrachten und aus ihrer Kindheit eine erwachsenengesteuerte Trainingszeit für das zukünftige Erwachsenenleben zu machen empfinde ich als respektlos.

 

Und es ist unnötig. Kinder haben einen inneren Drang zu lernen - aus Neugier auf die Welt und aus dem Wunsch heraus dazu zu gehören und wichtig für ihre Gemeinschaft zu sein. Solange wir dieses innere Bedürfnis nicht kaputt machen durch Druck, Zwang oder Angst, sondern vielmehr den kindlichen Lerneifer unterstützen, lernt das Kind von sich aus. Das nennt man bei uns Freilernen oder Unschooling, als Variante des Homeschooling. Und es braucht, wie viele Beispiele aus anderen Ländern zeigen, definitiv keine Schulpflicht. Solange jedoch Kinder in die Schule gezwungen werden (Sind sie Gefangene? Hallo Grundrechte?), solange das Schulsystem die Regeln bestimmt und Lehrpläne sich nicht an individuellen Interessen und am Entwicklungstand des Kindes orientieren (Hallo Erkenntnisse aus der Lern- und Hirnforschung?) und solange Gruppendruck, Versagensängste und andere wenig respektvolle Methoden eine Rolle spielen bin ich dagegen!

 

Nützt meinen Kindern und mir momentan nicht viel - wir leben in einem der wenigen Länder mit strenger Schul- statt Bildungspflicht. Was also tun, wenn man einen Freilern-Lebensstil lebt und liebt? Wenn es den Kindern und der Familie so gut geht und die Kinder täglich neues lernen?

 

Ich wünsche mir eine Gesetzesänderung, die Freilernen auch für Schulkinder legalisiert. Doch dafür muss der Gedanke "Es geht auch ohne Schule" in der Öffentlichkeit ankommen. Jeder sollte den Begriff "Freilernen" kennen und auf Grundlage von Fakten statt Angst vor religiösen Fanatikern und ähnlichem darüber diskutieren. Deshalb möchte ich an dieser Stelle über diesen wunderbaren freien und selbstbestimmten Lebensstil informieren. Bisher findest du hier folgende Artikel:

Willst du noch etwas anderes wissen? Mir Links oder Literaturempfehungen geben? Oder mit mir über diese spannende Thema diskutieren? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

 

 

PS: Liebe Lehrer "unserer" Grundschule sowie allgemein liebe Lehrer,

Ich schreibe dies ausdrücklich NICHT gegen Sie! Ich möchte auch nicht die Schulen abschaffen oder deren Wert für viele Schüler in Frage stellen. Stattdessen geht es mir um die Schulpflicht im allgemeinen. Denn diese nimmt unserer Familie und vielen anderen das Recht selbstbestimmt unsere Tage zu verbringen, die Welt und das Wissen entsprechend den Persönlichkeiten und Entwicklungsständen der Kinder zu entdecken, über die optimale Bildung unserer Kinder mit ihnen zusammen zu entscheiden und ganz einfach so zu leben, wie wir es gerne möchten. Es ist mir unverständlich, wieso eine Demokratie die Rechte der Kinder und Familien so einschränkt, während nahezu alle anderen Länder Europas und sehr viele Staaten weltweit den Familien dieses Selbstbestimmungsrecht mithilfe einer Bildungspflicht zugestehen. Keine wissenschaftliche Studie zum Homeschooling sowie zum optimalen Lernen sieht grundlegende Vorteile des schulischen Lernens, also warum nur?

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Kommentare: 2
  • #1

    Maria (Mittwoch, 08 November 2017 13:03)

    Liebe Maria, ich bin tatsächlich mit dem gleichen schönen Namen gesegnet und habe ähnliche Gedanken wie du. Wir haben unsere Tochter Teilzeit in der Kita gehabt und leider keinen ganz perfekten Weg gefunden . Unser Kleiner geht nun zu einer Tagesmutter die aber sehr ähnliche Ansichten hat und versteht wenn man aus anderen Zwängen heraus sein Kind abgeben muss und sie es dennoch optimal (soweit möglich) versorgt. Nun haben wir mittlerweile ein Grundschulkind und damit große Sorgen. Denn genaj die angesprochen Punkte wie Leistungsdruck, Gruppenzwang, fehlende individuelle und freie Entfaltung habeb die Motivation unserer Tochter schon nach einer Woche zerstört. Seitdem versuchen wir sie liebevoll zu begleiten und es ihr irgendwie möglich zu machen diese Art des Lernens zu ertragen. Aber es funktioniert nicht wirklich und sie ist mittlerweile öfter krank weil sie nicht gehen mag. Wie habt ihr den Konflikt für Eure Tochter gelöst? Hatte sie aucj solche Probleme durch den Wechsel der "Welten "? Ansonsten vielen Dank für den tollen Blog!!! LG Maria

  • #2

    Maria (Mittwoch, 08 November 2017 13:35)

    Hallo liebe Maria,
    danke für deinen lieben Kommentar!
    Ja, es ist wirklich schwierig diese wunderbaren kleinen Lieblingsmenschen in dieses starre System zu pressen. Uns ist es auch nicht wirklich gut gelungen, weil es wohl in der Standard-Schulsituation einfach auch nicht möglich ist - diese Welt ist zu starr und autoritär. Unsere Große ist nun in der 2. Klasse und weder sie noch wir Eltern sind von diesem System nun überzeugter als früher. Eher das Gegenteil. Leider haben wir auch keine legale Alternative gefunden und so üben wir uns darin, auf die guten Dinge (die es natürlich auch gibt) zu schauen und Mitgefühl mit den Menschen zu haben, welche so sehr in diesem System gefangen sind, dass sie dieses den Kindern gegenüber durchsetzen. Wir reden ihre Probleme damit aber auch nicht klein, sondern lassen ihr Raum: so hat sie viele Krankentage und ansonsten sowohl gute als auch schlechte Schultage. Ob das nun endlose Jahre so weitergehen darf, habe ich noch nicht entschieden, weil es ja doch freie Schulen und den Umzug in´s Ausland als Alternativen gibt - ist nur beides nicht mal so eben machbar. Wie werden sehen, wie sich das Ganze entwickelt. Ich wünsche euch ganz viel Kraft für diese schwierige Zeit! Melde dich gerne wieder, wenn du noch mehr Tipps brauchst.
    Liebe Grüße,
    Maria