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Inspiriert von Montessori anregende Räume für Grundschulkinder gestalten

Um den Beginn der Grundschulzeit herum verändern sich viele Kinder: einige Eltern beklagen die sogenannte Wackel-Zahn-Pubertät, andere beobachten Veränderungen bei Spielen, im Umgang mit Freunden und Geschwistern oder auch bei den Interessen der Kinder. Es ist eine spannende Zeit! Es ist eine Zeit, in welcher sich nicht nur das offensichtliche Verhalten, sondern auch die Bedürfnisse der Kinder verändern: eine andere Art der Begleitung und Unterstützung sowie ein anderer Fokus beim Gestalten der häuslichen Umgebung können uns allen helfen, gut mit diesen Veränderungen umzugehen.

 

Doch was genau verändert sich in dieser spannenden Zeit und wie können wir gut damit umgehen? Wie können wir gut unterstützen? Ich möchte dir von meinen Erkenntnissen aus einem Montessori-Kurs zum Thema erzählen und was wir seitdem mit 2 Grundschulkindern und einem Vorschulkind bewusst angepasst haben:

 

 

Hinweis: Dieser Artikel wird vom FIT-Z-Onlineshop gesponsored. Die Inhalte, Gedanken und Ideen sind jedoch wie immer meine eigenen bzw. diejenigen der angegebenen Quellen.

Wenn Kinder in die Schule kommen verändert sich vieles: Veränderungen der Interessen und des Freundeskreises sind ganz offensichtlich. Veränderungen im Spielverhalten lassen sich oft noch gut beobachten. Doch diese Veränderung ist weitaus tiefgreifender: das ganze Wesen des Kindes verändert sich langsam. Es gibt verschiedene Begriffe für diese Zeit: beispielsweise Wackelzahn-Pubertät, der Übergang von ersten in´s zweite Lebensjahrsiebt (Waldorf) bzw. von der ersten in die zweite Entwicklungsphase (Montessori). Um dieser Veränderung gerecht zu werden und sie gut begleiten zu können ist es hilfreich, ein paar Hintergründe zu kennen - diese möchte ich hiermit liefern.

 

Die folgende Beschreibung der Veränderungen in diesem Alter orientiert sich an den Beobachtungen Maria Montessoris, die Begründerin der Montessori-Pädagogik, welche ihr Leben damit verbracht hat Kinder zu beobachten, um die für ihre jeweilige Entwicklungsphase passenden Bedingungen schaffen zu können:

 

Nach Maria Montessori markiert das 6. Lebensjahr in etwa den Übergang von der ersten (“Kleinkindalter”) zur zweiten (“Kindheit”) Entwicklungsphase. Während jüngere Kinder die Welt über ihre Sinne erkunden, Sicherheit bei ihren Vertrauenspersonen suchen und sich an ihrer Umgebung orientieren, so erweitern die Kinder der 2. Entwicklungsstufe ihr Weltwissen immer stärker über ihren Verstand. Alles was sie gedanklich “einordnen” können, trägt zu einer inneren Ordnung und inneren Sicherheit bei. Sie sind an sozialen Beziehungen interessiert und beginnen nach Ursachen und Moral der Handlungen anderer Menschen zu fragen. Ihr räumlicher, sozialer und auch intellektueller Bewegungsspielraum wird größer. Sie beginnen “große Fragen” zu stellen und erwarten ehrliche und durchdachte Antworten. Sie wollen selber denken und gedanklich herausgefordert werden. Abstraktes Denken sowie Phantasie und Vorstellungskraft entwickeln sich rasant.

 

Veränderte Bedürfnisse von Grundschulkindern

Aus den beschriebenen Veränderungen ergeben sich veränderte Bedürfnisse von Kindern im Grundschulalter. Dazu zählen:

 

Veränderte soziale Bedürfnisse:

Freunde bekommen eine weitaus größere Bedeutung und soziale Umgangsformen werden zunehmend hinterfragt statt kopiert. Für uns Eltern bedeutet das, den Freundschaften des Kindes Bedeutung beizumessen und beispielsweise unser Zuhause noch viel selbstverständlicher und flexibler für diese zu öffnen. Wir sollten nicht im Wege stehen, sondern ermöglichen. Auch wenn Kinder dieser Altersklasse oft ein großes Bedürfnis nach sozialen Beziehungen haben und diese durchaus gerne selbstständig pflegen, so “üben” sie noch den Umgang miteinander und hinterfragen nun ganz neu Moral und Absichten. Dies können wir aktiv begleiten und zum Thema machen, gerade wenn wir unser Zuhause öffnen und aktiv am Leben des Kindes teilnehmen sowie viel miteinander sprechen.

 

In Bezug auf die Räume für unsere Kinder bedeutet es, sowohl Rückzugsräume für unser Kind und seine Freunde zu schaffen sowie unbedingt zu respektieren, als auch für die Familie Begegnungsräume zu schaffen. Waren bisher beispielsweise gemeinsame Mahlzeiten oft noch relativ turbulent, so können wir spätestens jetzt beginnen den Tisch schön zu decken und entspannte Tischgespräche zu führen. Und während bisher müde Kinder oft spielten oder beschäftigt werden wollten, können nun beispielsweise Familien-Spiele-Abende und ähnliches von allen Beteiligten genossen werden. Dies kann man mit einem für alle einladenden Familientisch oder Sofa-Bereich räumlich abbilden. Gesellschaftsspiele und interessante Gesprächsthemen sind eine schöne Einladung und bieten reichlich Übung im sozialen Umgang.

 

 

Veränderte intellektuelle Bedürfnisse:

Für mich völlig überraschend begannen meine beiden größeren Kinder sich in einem ähnlichen Alter für Urmenschen zu interessieren. Seitdem ich mich mit Montessoris Theorie beschäftigt habe, weiß ich, dass das Interesse für “große Fragen” (Wo kommen wir her? Welchen Platz haben wir im Universum?, …) ein ganz typisches Merkmal dieser Altersklasse ist. Leider geht das klassische Schulsystem überhaupt nicht auf diese Art der Fragen und Interessen ein, weshalb zuhause ein guter Ort dafür ist: ein paar ansprechende Bücher, vielleicht ein attraktives Wissensposter an der Wand und Offenheit für wirklich tiefgehende und philosophische Gespräche sowie die Tatsache, dass wir selbst lange nicht so viele Antworten kennen wie die Kinder bisher vielleicht gedacht haben :-)

 

Ich halte es für eine gute Idee eine kleine Familienbibliothek mit spannenden Sachbüchern anzulegen, welche nicht unbedingt Kinder-Sachbücher sein müssen. Es ist einfach schön und auch gesellig, bei spontanen Interessen und Fragen ein Buch parat zu haben. Außerdem kann dann gelegentlich ein passendes Buch als Einladung zum Stöbern für das Kind bereit liegen. Wenn das Kind gerne liest oder Bücher anschaut ist es eine gute Gelegenheit, eine gemütliche Leseecke einzurichten. Richtig attraktiv wird sie, wenn jedes Kind seine eigene Kuscheldecke ausbreiten darf: ich finde diese in ein Kissen zu verwandelnde Kuscheldecke von FIT-Z besonders attraktiv für einen gemeinsamen Bereich, weil die Decke bei Nichtgebrauch jederzeit in ein Kissen verwandelt werden kann.

 

 

Stärkeres Bedürfnis nach Selbstständigkeit:

Auch kleinere Kinder wollen bereits in vielen Bereichen selbstständig sein, doch bei Grundschulkindern erreicht dies gewissermaßen eine neue Dimension: eigenes Geld verwalten, selbst die Uhrzeit im Blick behalten und vieles mehr.

 

Wir können dies beispielsweise unterstützen, indem wir im Eingangsbereich gut sichtbar einen Platz für Taschen und Utensilien der Kinder schaffen. Auch eine Wanduhr in Kinderzimmer und Eingangsbereich sowie ein eigener Wecker leisten gute Dienste.

 

 

Veränderte Interessen und Hobbies:

Viele Kinder entdecken in diesem Alter Leidenschaften und Hobbies, welche eine bisher unbekannte Intensität entwickeln können. Auch hier zeigt sich oft wieder die Erweiterung ihres Lebensumfeldes. Und auch diese bieten sich oft für die Gestaltung anregender Räume an: vielleicht lässt sich ein Forscher-Regal zum Thema einrichten und entsprechende Materialien und Bücher bereit stellen. Vielleicht lässt sich das Thema auch einfach zur Dekoration nutzen, damit ein individuell passender Ort für das Kind entsteht?

 

 

Verändertes Spielverhalten:

Kleinere Kinder spielen oft, indem sie von ihrer Umgebung und ihren Spielmaterialien inspiriert werden. Ein typisches Spielverhalten wirkt dann wie eine Aneinanderreihung von einzelnen Spielideen, die jeweils auf einer konkreten Inspiration beruhen. Im Grundschulalter entwickeln Kinder dagegen häufig eine konkrete Spielidee, für welche sie dann nach passenden Spielmaterialien suchen. Teilweise werden innerhalb mehrerer Tage immer komplexere Spiellandschaften aufgebaut.

 

Um dies zu Ermöglichen, brauchen Kinder in diesem Alter einen Ort, an welchem sie ungestört spielen können. Das Spielmaterial darf gerne möglichst übersichtlich präsentiert werden, wobei selbstständiges zurück-sortieren oft noch nicht gut funktioniert darstellt. Ideal ist es, wenn die jeweiligen Spiellandschaften längerfristig stehen bleiben und tagelang ergänzt und perfektioniert werden können - Kinder dieser Altersklassen entwickeln gerade die Ausdauer und das langfristige Planen und Denken um an solchen Projekten arbeiten zu können.

 

 

Veränderte Anforderungen an Spiel- und Kreativmaterial:

Da Kinder dieser Altersklasse weit weniger vom tatsächlichen Material als vielmehr von innen heraus inspiriert sind, benötigen sie eine attraktive “Basis” für ihre Ideen: beispielsweise komplexere Bauwerke zulassende Bausteine wie Kapplas oder Matador, Lego, eventuell Playmobil, Bauholz mit Werkzeug, Papier und Pappe mit möglichst hochwertigem Kreativmaterial, … Dazu kommen häufig speziellere Materialien und Hilfsmittel, je nach Interessen und konkreten Ideen. Wenn du dazu Inspiration möchtest, so empfehle ich dir meinen kostenlosen Kreativ-/Studiobereich-Leitfaden mit vielen Materialvorschlägen und Beispielen, wie du dieses Material in “Einladungen zum kreativ sein” anbieten kannst.

 

Weitere Anregungen

Natürlich ist es toll, wenn mit einem immer größer werdenden Radius des Kindes auch neue Anregungen wie Museen, Galerien und vieles mehr genutzt werden können. Und trotzdem bleibt das zuhause der Ort, an dem häufig sehr viel Zeit verbracht wird. Deshalb finde ich es so wichtig anregende Räume zu gestalten. Und deshalb habe ich hier noch weitere Ideen für dich gesammelt:

  • Handarbeiten bei Gelegenheit erklären und dann einen einladenden Korb mit Wolle/ Handarbeitsmaterial in Sofa-Nähe platzieren
  • Arbeiten mit Holz ermöglichen oder sogar eine kleine Werkstatt einrichten
  • Gute und vielleicht zu den aktuellen Interessen passende Bücher nicht im Bücherschrank vergessen sondern einladend präsentieren: Cover nach vorne, Lesestapel auf dem Sofatisch (vielleicht sogar eines aufgeschlagen), Bücherkorb beim Kuschelsessel oder am Bett, …
  • Eine Fragen-Wand einrichten: alle Fragen der Kinder auf Klebezettel notieren und an einer Tür oder einem Wandabschnitt “präsentieren” sowie regelmäßig gemeinsam eine der Fragen besprechen (Diese Idee stammt aus dem Buch “The Brave Learner - Finding everyday Magic in homeschool, learning, and life” von Julie Bogart*)
  • Hochwertige Kreativmaterialien einladend zur Verfügung stellen
  • An Plänen beteiligen: was wollen wir nächste Woche essen - was kaufen wir ein? Was brauchen wir für den Ausflug? Was ist diese Woche wichtig? - räumlich lässt sich das beispielsweise mit einer Tafel oder ein Whiteboard lösen
  • Zeitleisten und jegliche Form von großen, attraktiven und Fragen weckenden Übersichten präsentieren sowie Materialien bereitstellen, damit die Kinder selbst welche gestalten können (Papierrolle, kräftige Marker oder Wachsmalstifte, Klebezettel, ...)
  • Notiz- und Skizzenbücher sowie “Klemmbretter” griffbereit haben
  • Aktivitäten und “Werke” der Kinder mit Fotos dokumentieren und diese gut sichtbar aufhängen um zum Erinnern und Weiterdenken einzuladen
  • Kultur, Herkunft, Religion und ähnliches Identitäts-stärkendes räumlich präsentieren: beispielsweise ein Schutzengel für das Kinderzimmer, die Vase mit Familiengeschichte auf dem Tisch, Fotos an der Wand - zum Betrachten und gedanklich damit beschäftigen einladen

Ich beachte natürlich nicht alle Ideen gleichzeitig, sondern beobachte meine Kinder: sind sie zufrieden und können sich gut zuhause beschäftigen? Wirken sie inspiriert und haben vielfältige Idee? Wenn ja, ist alles prima. Aber wenn nein, dann empfinde ich es an der Zeit etwas zu verändern. Ich hoffe, dass ich dich ebenfalls mit diesen Ideen inspirieren konnte. Kommentiere gerne mit Fragen, weiteren Ideen oder einfach eine Rückmeldung, ob solche Inhalte interessant und hilfreich sind.

 

Lass uns gemeinsam ein lebenswertes Familienleben für alle gestalten!


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Kommentare: 1
  • #1

    Petra (Samstag, 25 Januar 2020 06:38)

    Liebe Maria, vielen Dank für deine Arbeit an diesem spannenden Artikel! Ganz liebe Grüße, Petra